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MD.ON TOUR Mobilitätskongress – Martin Schmied, Umweltbundesamt, im Interview

MOTORDIALOG-Moderatorin Anke Seeling spricht mit Martin Schmied, Leiter der Abteilung I 3 “Verkehr, Lärm und räumliche Entwicklung“ vom Umweltbundesamt, über die zukünftigen Entwicklungen im Straßenverkehr.

Martin Schmied über Verkehrsplanung

In den Städten wird es immer enger. Platz ist Mangelware geworden. Eine wichtige Frage, die sich das Bundesumweltamt nun bei der Planung stellt, ist: Wie viel Verkehr soll bzw. kann durch die Stadt geführt werden?

Martin Schmied ist sich sicher, dass eine Verbesserung der Verkehrssituation nicht ohne den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) möglich ist. Zudem kann Parkraum verteuert werden, damit Pendler das Auto freiwillig außerhalb der Städte abstellen.

Der schwarze Peter der Straße

Der Dieselmotor ist aktuell der Bösewicht in der Mobilität. Fahrzeuge mehrerer Autohersteller haben mithilfe einer Motor-Software Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand eingehalten. Umgangssprachlich ist auch von einer Betrugssoftware die Rede. Diese Verbrauchertäuschung gilt es nun technisch zu korrigieren: Hersteller spielen teilweise freiwillig Software-Updates auf die Fahrzeuge, die auch unter realen Bedingungen für einen geringeren Emissionsausstoß sorgt. Experten diskutieren zurzeit, ob diese Maßnahme ausreicht, um die Emissionen auf die für Städte vorgegebenen Werte zu senken.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Damit in Zukunft nicht noch einmal ein solches Szenario auftritt, soll Real Emission Driving (RDE) eingeführt werden. Bei dieser Messmethode wird der Emissionsausstoß erfasst, während das Fahrzeug auf öffentlichen Straßen gefahren wird. Technisch ist es bereits heute möglich, die Grenzwerte auf der Straße einzuhalten.

Eine ethische Mobilität darf nicht die Welt kosten

Martin Schmied ist auf dem Deutschen Mobilitätskongress als Referent. In seinem Vortrag hat die Frage, wie viel Verkehr sich die Gesellschaft leisten will, einen hohen Stellenwert. Technisch ist zum Schutz der Umwelt viel machbar, doch wirtschaftlich ist das nicht immer – zumindest noch nicht.

Um diese Kosten zu decken, könnten Politiker beispielsweise Subventionen für klimaschädliche Mobilität kürzen oder vollständig streichen. Nach wie vor wird der Dieselkraftstoff subventioniert. Hierdurch fehlen dem Staatshaushalt jährlich etwa 3,5 Milliarden Euro Steuern, die unter anderem für die Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen der Verkehrsteilnehmer verwendet werden könnten. Dieselfahrer zahlen für ihr Fahrzeug zwar eine höhere Kfz-Steuer, dennoch sind etwa eine Milliarde Euro weniger in der Staatskasse als ohne Subvention – und das pro Jahr. Auch Elektroautofahrer bekommen insgesamt eine Milliarde Euro Subvention „geschenkt“. Dies geschieht jedoch nicht jährlich, sondern nur bis 2020. Die Verteilung der Gelder geschieht also aktuell nicht immer im Sinne der Umwelt. Daran sollte die Politik etwas ändern, meint Martin Schmied stellvertretend für das Umweltbundesamt.

 

Weiter Interviews vom Deutschen Mobilitätskongress:

Interview: Werner Balsen, Redaktion DVZ

Interview: Martin Gropp, Redaktion FAZ

Interview: Tarek Al-Wazir, hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung

 

Dauer: 10:26

Produktion: Oktober 2017

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