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“Wie der Verkehrsfunk erfunden wurde” – Peter Brägas bei MD.TAGE WIE DIESER

Verkehrsfunk im Auto? Peter Brägas, der “Erfinder des Verkehrsfunks” ist in der aktuellen Ausgabe von MD.TAGE WIE DIESER zu Gast. Unser besonderer Tag in der Mobilitätsgeschichte ist dieses Mal der 1. April 1964. Damals strahlte der Hörfunk in der Bundesrepublik Deutschland zum ersten Mal eine Verkehrsmeldung aus. Was unser Gast damit zu tun hatte, klärt Moderatorin Sarah Elßer im Gespräch mit Peter Brägas. Der nachfolgende Text über die technischen Grundlagen und die Entwicklung dieses Dienstes bis in die heutige Zeit stammt aus seiner Feder:

Der ADAC bat Blaupunkt in 1969 um die Entwicklung von Infotheken für BAB-Raststätten, an denen der Autofahrer die neuesten Verkehrsnachrichten vom Deutschlandfunk abhören konnte. Dazu war eine Kennung der Nachrichten notwendig. Nach Versuchen mit dem Dreiklang <d fis a> entstand dafür der “Hinztriller”, ein frequenzmodulierter Pfeifton von 2,35 kHz (d4). 16 Infotheken wurden ab 1970 an Raststätten eingebaut, eine in die ADAC-Zentrale.

Für den UKW-Rundfunk wurde das (analoge) ARI-System entwickelt, welches die Sender-, Bereichs- und Durchsagekennung enthält. Das System wurde in 1972 bei der ARD im Versuchsbetrieb erprobt, in 1974 wurde es Regelbetrieb. In 1975 beim ORF, später in der Schweiz und Luxemburg eingeführt. Für das Autoradio gab es zunächst Nachrüstsätze, kurz darauf wurde ARI in die Autoradios integriert.

Die EBU (European Broadcast Union) entwickelte zusammen mit BBC London, der PTT Schweden, dem IRT (Institut für Rundfunktechnik) und der PTT Schweiz das RDS-System (Radio Data System). Dies erlaubt die digitale Datenübertragung bei UKW-Rundfunksendern auf einem 57-kHz-Träger. Es werden u.a. der Sendername, Alternativfrequenzen desselben Programms, Radiotext und die ARI-Kennungen übertragen. RDS wurde in Deutschland in 1984 als Versuchsbetrieb, in 1988 als Regelbetrieb eingeführt. Die Autoradios mit RDS kamen in 1988 auf den Markt und enthielten das nun digitale ARI-System. Das analoge ARI-System wurde noch für alte Autoradios bis 2005 weitergeführt.

Blaupunkt entwickelte ein System zur digitalen Übertragung von Verkehrsnachrichten, bei dem der Ort sowie die Art der Verkehrsbehinderung als Zahlencode vorliegt. Dies erlaubt die Wiedergabe in jeder Sprache als auch die verkehrsabhängige Routensuche bei Navigationsgeräten. Dafür entstand beim RDS der “Traffic Message Channel” TMC. TMC wurde in den Jahren 1990 bis 1993 im Feldversuch BEVEI (bessere Verkehrsinformation) im Ruhrgebiet mit dem WDR und dem SWR erprobt, der Regelbetrieb begann ab 1997. Heute ist TMC in vielen Ländern eingeführt, u.a. auch in China.

Infolge der kleinen Datenrate von RDS-TMC ist der Locationcode auf rd. 65.000 Adressen beschränkt, das reicht für die Autobahnen und einige Bundesstraßen. Bei DAB+ steht ein viel größerer Kanal zur Verfügung. Daher kann man dort die GPS-Koordinaten für den Ort des Geschehens übertragen; damit sind auch in Stadtbereichen Verkehrsinformationen punktgenau möglich. Dieses Verfahren läuft bereits in einem Versuchsbetrieb in Hannover.

Dauer: 29:33
Produktion: Dezember 2015

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