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Ein echter Publikumsmagnet

Alfred Noell und sein „7. Sinn“

29. April 1966

Als das Fernsehen noch schwarzweiß war und am Samstag das Auto vor der Haustür von Hand gewaschen wurde, saß die Familie Freitagabend gemeinsam vor dem Bildschirm und ließ sich mit teils spektakulären Stunts über die Gefahren im Straßenverkehr aufklären – immer garniert mit einfach umzusetzenden Ratschlägen. Generationen kennen sie: die Sendung „Der 7. Sinn“.

 

Wie alles begann

18.500 Verkehrstote – das waren eindeutig zu viele! Dies befand auch der damalige Direktor der Deutschen Verkehrswacht und konnte damit die Verantwortlichen beim WDR von der Notwendigkeit einer TV-Sendung zum Thema Verkehrssicherheit überzeugen: Die Idee des „7. Sinns“ war geboren.

Der Journalist Alfred Noell (82), ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Malteser Ritterorden, wurde mit der Umsetzung betraut. Er hatte nur zwei Wochen Zeit, um erstmals im Abendprogramm der ARD das Medium Fernsehen für das Thema Verkehrssicherheit zu nutzen. Am 29. April 1966 war es endlich soweit und die erste Folge der mittlerweile legendären Reihe flimmerte über die Mattscheibe – damals noch in schwarzweiß.

 

Einfache Idee mit ungewöhnlichem Titel

„Jeder Autofahrer muss eigentlich einen Verkehrssinn haben. Wir haben ja fünf Sinne, der sechste war für alles andere besetzt und so wurde der eigene Autofahrersinn zum 7. Sinn“, erklärt Alfred Noell den Sendungs-Titel. Das Wort Sicherheit wollte er keinesfalls in der Überschrift haben. Das wäre der Grundidee – dort anfangen, wo die Fahrschule aufhört – nicht gerecht geworden. Man wollte erklären, wie kritische Situationen entstehen und wie man sie verhindern kann – garniert mit einprägsamen Bildern und Stunts, bei denen nie etwas passiert ist.

 

Eine Erfolgsgeschichte

Das Konzept ging auf. Bereits ein Jahr nach Sendungsstart war die Zahl der Verkehrstoten um 13,5 Prozent zurückgegangen, was der damalige NRW-Innenminister zum Teil auf die Sendereihe zurückführte. Alfred Noell ist überzeugt, dass „Der 7. Sinn“ einen erheblichen Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet hat. Bei einer Befragung kannten 93 Prozent die Sendung und 53 Prozent gaben an, dabei etwas gelernt zu haben.

 

„Der 7. Sinn“ rettete Leben

Wie konkret der Lerneffekt war, zeigt sich am Beispiel eines Liebespärchens, das am Neckarufer geparkt hatte, versehentlich an den Schalthebel kam und ins Wasser rollte. Glücklicherweise hatten sie kurz zuvor beim „7. Sinn“ gesehen, wie man sich unter Wasser aus einem Fahrzeug befreit.

Motorradfahrer lernten durch die Sendung den sogenannten Überlebenssprung, um bei einem Seitenaufprall nicht mit dem Kopf gegen die Dachkantenleiste zu prallen, sondern über das Fahrzeug abzurollen.

Wohnwagenlenker erfuhren, wie man durch das Anbringen von Seitenstabilisatoren den Schwingungsprozess um 50 Prozent verringern kann.

 

Sendekonzept der Zukunft

Die Sendung „Der 7. Sinn“ hat international Fernsehgeschichte geschrieben. Eine Neuauflage wird es laut Alfred Noell aber nicht geben. Wenn er heute noch einmal etwas zum Thema Verkehrssicherheit machen sollte, würde er das Publikum stärker einbeziehen und es moderne Technik, wie etwa Einparksysteme, erproben lassen.

 

 

„Der 7. Sinn“ in Zahlen:
  • 1.754 Folgen, davon die ersten 200 schwarzweiß
  • Ausgestrahlt von 1966 bis 2005 in 17 Sprachen und 47 Ländern
  • Gewann über 40 nationale und internationale Preise
  • Insgesamt wurden über 550 Autos, Motorräder, Busse und 1 Zug verschrottet

Dauer: 27:20
Produktion: März 2015

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