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Selbst lenken oder lenken lassen?

Experten diskutieren über das Für und Wider des autonomen Fahrens

Einsteigen, losfahren und währenddessen Mails checken oder Zeitung lesen – was heute noch utopisch klingt, kann in ein paar Jahren schon zum Alltag gehören. In Zukunft wird dem Autofahrer mehr und mehr Arbeit abgenommen, und irgendwann fahren unsere Fahrzeuge völlig autonom.

Wann es tatsächlich soweit ist, dass die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge über Deutschlands Straßen rollen und welche Möglichkeiten es heute schon gibt, darüber diskutieren unsere Gäste: DER deutsche Verkehrsforscher, Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen, Harald Barth, Product Marketing Manager vom Automobilzulieferer Valeo, der Sprecher des Automobilclubs von Deutschland, Johannes Hübner, und der Jurist Lennart S. Lutz von der Forschungsstelle RobotRecht der Universität Würzburg. Gemeinsam mit dem Moderatorenteam Sarah Elßer und Andreas Keßler klären sie, was autonomes Fahren eigentlich genau bedeutet und wo die Chancen und Risiken dabei liegen.

Dr. David Oswald vom Lehrstuhl für Embedded Security der Ruhr Universität Bochum ist unser Fachmann an der Bar und klärt uns im Vier-Augen-Gespräch über die Sicherheitslücken der bestehenden Systeme auf. Er illustriert, wie Hacker künftig nicht nur unsere Rechner, sondern auch unsere Autos und damit den kompletten Verkehr lahmlegen können.

 

Was bedeutet autonomes Fahren?

Beim autonomen Fahren wird zwischen fünf Automatisierungsstufen unterschieden, die vom assistierten über teilautomatisiertes und hochautomatisiertes Fahren bis hin zum vollautomatisierten Auto reichen. In der zweiten Stufe muss der Fahrer die Assistenzsysteme des Autos immer überwachen und gegebenenfalls eingreifen können. Solche Systeme gibt es heute bereits in vielen Fahrzeugen, der Einparkassistent ist nur ein Beispiel von vielen. Das Auto parkt hier zwar selbständig in die Parklücke ein, der Fahrer muss aber die Verkehrssituation im Blick haben und bereit sein, das Steuer im Notfall übernehmen zu können. In der nächsten Stufe muss er nicht mehr dauerhaft die Hand am Lenkrad haben – das ist allerdings nur auf speziellen Straßen, wie etwa Autobahnen, möglich, da dort die Verkehrssituation relativ übersichtlich ist. Beim vollautomatisierten Fahren muss sich der Fahrer schließlich nicht mehr für die Rücknahme des Kommandos bereithalten. Dann hat das Zeitalter der selbstfahrenden Autos begonnen.

 

Ein Nebeneinander automatisierter und nicht automatisierter Fahrzeuge?

Die Freude am Fahren soll durch die moderne Technik aber natürlich nicht gemindert werden. Autonome Fahrzeuge sollen das Fahren sicherer machen und dafür sorgen, dass unsere Straßen entlastet werden – so die Idealvorstellung. Aber gerade das Nebeneinander von autonomen Fahrzeugen und Autos, die von Menschen gesteuert werden, könnte sich als schwierig erweisen. Auf der einen Seite die vernetzten Autos, die beispielsweise den Sicherheitsabstand und auch das Tempolimit korrekt einhalten, und auf der anderen Seite die manuell gesteuerten Fahrzeuge – das könnte für den Verkehrsfluss katastrophale Folgen haben! Heute fließt der Verkehr relativ gut, aber auch gerade, weil gewisse Regeln nicht so ernst genommen und individuell auf die Verkehrssituation „angepasst“ werden.

 

Entscheidet der Computer im Ernstfall über Leben und Tod?

Strittig ist bislang auch, wer im Falle eines Unfalls haftet: der Halter, der Fahrer oder der Hersteller? Und wie soll in einer Gefahrensituation entschieden werden? Wird künftig tatsächlich der Computer entscheiden, wohin der Wagen ausweicht? Rechts eine Menschenmenge, links ein Kind – soll einzig die Maschine aufgrund programmierter Algorithmen entscheiden? Ethisch sicherlich fragwürdig, faktisch eine Frage, der wir uns früher oder später stellen müssen – nicht nur aus juristischer, sondern auch aus ganz praktischer Sicht.

 

Das ferngesteuerte Auto, ein Horrorszenario?

Das vernetzte Fahrzeug macht das Autofahren wesentlich komfortabler. Allerdings gibt der Fahrer hier auch Bewegungsprofile und vieles mehr von sich preis, was so oftmals gar nicht gewollt ist. Doch das ist längst nicht alles: Die bestehenden Systeme weisen Sicherheitslücken auf, so dass es für Hacker ein Leichtes ist, nicht nur an sensible Informationen des Fahrers zu gelangen, sondern auch das Fahrzeug fernzusteuern und damit den gesamten Verkehr lahmzulegen.

Dauer: 54:18
Produktion: April 2015

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