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MD.REPORTAGE DIESEL – Ethik: Wie viel Verantwortung haben Unternehmen?

Prof. Dr. Jörg Althammer, Wirtschaftsethiker an der katholischen Universität Eichstätt, geht der Frage nach, wie sich die ökonomischen mit den gesellschaftlichen Zielen vereinen lassen. Das ist nicht immer ganz leicht und oft entsteht ein Zielkonflikt. Die Wirtschaftsethik muss dann eine Lösung finden, die sich wirtschaftlich lohnt, aber auch mit den sozialen Kriterien vereinbaren lässt.

In großen Unternehmen gibt es dafür eine eigenständige Abteilung: Corporate Social Responsibility. Firmen, die sich sehr dafür einsetzen, veröffentlichen jährlich einen Corporate Social Responsibility Report, um allen Interessierten die Möglichkeit der Einsicht zu geben. Natürlich hat auch das einen wirtschaftlichen Aspekt: gute PR.

Unser Experte bespricht mit Sarah, welche moralischen Fehler VW mit der umstrittenen Software begangen hat. Die bewusste Täuschung des Kunden ist hierbei klar zu nennen. Das Auto ist ein „Vertrauensgut“. Der Käufer verlässt sich also bezüglich der Technik komplett auf die Angaben des Herstellers. Dieses Vertrauen ist verletzt worden. Der Konzern hat zusätzlich gegen geltendes Recht verstoßen, womit er nicht nur die Kunden, sondern auch die Justiz gegen sich aufgebracht hat.

Das Problem ist dadurch entstanden, dass VW wie andere Hersteller auch Umweltschutzauflagen in den USA erfüllen muss, um auf dem US-Markt verkaufen zu dürfen. Im Labor wurden diese Werte auch eingehalten, da die Software anhand fehlender Lenkbewegung und extrem gleichmäßigen Fahrverhaltens erkannte, dass sich das Auto auf dem Prüfstand befand. Mit zusätzlicher Technik wäre es jedoch möglich gewesen, die Auflagen auch im alltäglichen Straßenverkehr einzuhalten. Hierfür wären Kosten in Höhe von etwa 130 Euro pro Fahrzeug angefallen. Wirtschaftsethisch muss also betrachtet werden, dass das Management nicht bereit war, diese zusätzlichen Ausgaben zu tragen.

Einen möglichen Lösungsansatz könnte sich VW bei Siemens abschauen. Hier wurde nach einem Korruptionsskandal eine eigene Compliance-Abteilung eingerichtet. Strenge Vorschriften regelten das Verhalten aller Mitarbeiter. Bei Fragen kann nun die Abteilung direkt angeschrieben werden. Volkswagen besitzt ebenfalls eine solche Abteilung. Bleibt die Frage, warum es der Compliance-Abteilung nicht möglich war, die Verstöße im Vorfeld zu bekämpfen?

Wenn ein solch medial begleiteter Fehler passiert, rollen meist Köpfe. Aber gerade in einem Unternehmen, indem es kriselt, ist es wichtig, dass die Führung aus Mitarbeitern besteht, die Produkte, Mitarbeiter und Marke kennen. Ein einfacher Austausch ist demnach also nicht möglich. Moralisch sinnvoll wäre es nach Prof. Althammer, beispielsweise Mitarbeiter aus der für den Betrug verantwortlichen Ingenieursabteilung zu entlassen.

Auch der Verbraucher wird von der Wirtschaftsethik berücksichtigt, denn er entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Produkts. Die Aufgabe des Verbrauchers ist es also, seine Wünsche, zum Beispiel ein umweltfreundliches Fahrzeug, zu äußern. Im Gegenzug muss er dann aber auch bereit sein, einen möglichen Aufpreis für kostenintensivere Entwicklung oder eingebaute Technik zu bezahlen. So lassen sich ökonomische und sozial-ökologische Ziele verbinden.

Dauer: 22:30

Produktion: 2016