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Motorjournalisten: Eine aussterbende Zunft?

Fachleute debattieren über die Zukunft des Motorjournalismus

Das Auto verliert zunehmend an Bedeutung, zumindest verändert sich die Art der Faszination. Was früher noch als Statussymbol galt, ist heute oft nur noch Mittel zum Zweck. Jungen Menschen ist inzwischen ihr Mobiltelefon häufig wichtiger als die individuelle Mobilität.

Brauchen wir unter diesen Voraussetzungen heute noch Motorjournalismus? Die Experten – der Blogger Bjoern Habegger, der freie Journalist Michael Kirchberger, Michael Iggena, stellvertretender Chefredakteur der Fachzeitschrift AutoTest, und Rainer Strang, Leiter Motor- und Wirtschaftspresse bei Škoda Auto Deutschland, sind sich einig: Ja! Allerdings haben sich Ansprüche, Arbeitsbedingungen, Medien und Zielgruppen in den letzten Jahren spürbar gewandelt. Wie sich die journalistische Welt der Motorpresse verändert hat und was dies für die Zukunft bedeutet, darüber diskutieren sie mit unserem Moderatorenteam Sarah Elßer und Andreas Keßler.

 

Blogs vs. klassische Medien

Besonders deutlich wird der Wandel im Motorjournalismus bei den zahlreichen Internet-Blogs zum Thema Auto. Das Spektrum reicht von Privatpersonen, die ihre persönliche Meinung kundtun, über Marketingbeiträge bis hin zu ernsthaften Auto-Tests, die in Richtung des klassischen Motorjournalismus gehen. Groß angelegte und technisch detaillierte Vergleichstests bleiben nach wie vor eine Domäne der Automobilfachzeitschriften, auch wenn im Internet mittlerweile jeder selbst zum Auto-Tester werden kann. Um allerdings von der Tätigkeit als hauptberuflicher Blogger zu leben, muss man einen langen Atem haben, sich einen Namen machen und die passende Werbung generieren.

Auch die Verlage haben das Medium Internet für sich entdeckt und nutzen ihre Onlineauftritte, um den klassischen Print-Journalismus von Zeitungen und Zeitschriften zu ergänzen. Inhalte werden nicht, wie zu Beginn, eins zu eins übernommen. So ist der Motorjournalismus facettenreicher geworden.

 

Daseinsberechtigung des Motorjournalismus

Solange es Informationsbedarf gibt, werden Motorjournalisten gebraucht, um die Daten und Fakten für den Autokäufer oder den Autointeressierten aufzubereiten – egal in welchem Medium. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem, dass die Autoindustrie immer wieder von Motorjournalisten auf Mängel aufmerksam gemacht wurde und Fahrzeuge so sicherer, besser und umweltfreundlicher wurden. Beste Beispiele dafür sind: der rechte Außenspiegel, der Airbag, das ABS oder der Katalysator. Es wird auch in Zukunft eine Aufgabe sein, kritisch und glaubwürdig zu bleiben.

 

Berufswunsch Motorjournalist

Auch wenn junge Menschen von der Thematik Auto nach wie vor angetan sind und es eine Vielzahl hochqualifizierter Journalisten gibt, stellt sich die Frage, wie viele Motorjournalisten sich die Verlage in Zukunft noch leisten können und wollen. Bereits heute ist eine Konzentration auf wenige Dienstleister erkennbar. Auch die Aufträge der Industrie sind bei zunehmend knappen Budgets heiß umkämpft. Dieser wirtschaftliche Aspekt darf bei der Diskussion um die Zukunft des Motorjournalismus nicht außer Acht gelassen werden.

Dauer: 41:07
Produktion: April 2015

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