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MD.IAA 2017 TALK – Sünden der Verkehrsplanung: die Expertenrunde

„Die Verkehrssysteme operieren am Rande ihrer Kapazität“ – so leitet Autopapst Andreas Keßler diesen MD.TALK auf der IAA 2017 ein. Dabei spielt es keine Rolle, um welches Transportmittel es sich handelt: Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sowie die deutschen Autobahnen sind überfüllt und dem Flugreisenden wird das Leben durch Streiks und insolvente Airlines schwergemacht.

Probleme im Verkehr –  wie geht Verkehrsplanung?

Deutschland ist ein Transitland. Aus diesem Grund muss die Entwicklung der Infrastruktur deutlich schneller werden, weiß Matthias Braun, Generalsekretär AvD (Automobilclub von Deutschland). Speziell im Rhein-Main-Gebiet ist hier die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden zu nennen. Während auf hessischer Seite die sechsspurige Straße über den Rhein bereits fast fertiggestellt ist, hat Rheinland-Pfalz mit dem Bau noch nicht einmal begonnen. Christian Elvers ist Auto-Experte und kommt aus Mainz. Er hat selbst erlebt, wie schwierig es ist, nach Frankfurt auf die IAA zu kommen – egal mit welchem Verkehrsträger und unabhängig von der Schiersteiner Brücke. Ihr Ausbau verzögert sich aufgrund des Mainzer Sand, einem Naturschutzgebiet, das hinter der Überführung liegt. Die Fahrbahn zu verbreitern ist nicht im Sinne des Naturschutzes, auch wenn das bereits zwei Verkehrsminister anders entschieden haben. Es ist also fraglich, ob auch auf rheinland-pfälzischer Seite eine sechsspurige Fahrbahn entstehen wird.
Christian Elvers bedauert, dass nach der letzten Landtagswahl das Thema Asylpolitik (A2) in Rheinland-Pfalz an erste Stelle getreten ist. Er selbst ist der Ansicht, dass die Verkehrspolitik mit all ihren Maßnahmen für die Infrastruktur in seinem Heimat-Bundesland wichtiger ist.
Nicht nur in den Innenstädten gibt es zu viele Autos. Städte und Kommunen hätten gerne weniger von ihnen – auch der Umwelt zuliebe. Doch andere Transportmittel sind bereits jetzt ausgelastet. Pendler und Reisende lassen sich also nicht ohne Weiteres von ihren Autos auf andere Verkehrsmittel umverteilen. Das ist eventuell auch gar nicht nötig, wenn Hauptverkehrspunkte stärker durch bessere Planung entlastet würden. Christian Elvers führt hier wieder Brücken über den Rhein als Beispiel an. Zwischen der Schiersteiner Brücke und Koblenz befinden sich fast 100 km Fluss ohne eine einzige Autobahn-Brücke. Der Rhein ist auf diesem Abschnitt also nur über einige Eisenbahnbrücken überquerbar.

Die Mobilitätswende

In der Mobilität braucht es eine Wende! Dabei geht es jedoch nicht nur um das Auto. Das Verkehrswesen im Allgemeinen muss betrachtet werden, wenn sich etwas verändern soll. Matthias Braun stellt hier an erste Stelle Arbeitsplätze, denn die schaffen Wohlstand und das wiederum kann helfen, die Umwelt nachhaltiger zu schützen – gerade in der Mobilität. Dem Generalsekretär des AvD fehlt ein Masterplan für die Verkehrsplanung, denn niemand weiß, wo Deutschland in 20-30 Jahren stehen soll. Doch ist so etwas wirklich sinnvoll? Immerhin ist es genauso kompliziert einzuschätzen, wo es mit der Mobilität in einigen Jahren hingehen wird. Klar ist, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfinden muss, um den Verkehr langfristig zu verbessern.
Denn Stau schadet nicht nur den Nerven der Fahrer, sondern auch der Umwelt. Gerade deshalb sollte die Regierung in ihrer Verkehrsplanung versuchen, Staus aber auch überfüllte Züge zu vermeiden. Während Matthias Braun vollständig auf den Erhalt und das Schaffen von Arbeitsplätzen pocht, spricht Elvers von einer Balance zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Maßnahmen.

Dauer: 22:11

Produktion : September 2017