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MD.HYPERMOTION 2017 – Die Zukunft der Deutschen Post

Jochen Wegner, Chefredakteur ZEIT ONLINE, ist einer der Verantwortlichen der ZEIT-Konferenz und Moderator. Er spricht mit Dr. Frank Appel, Deutsche Post DHL Group, darüber, wie die Bundesbürger in Zukunft ihre Post bekommen werden.

Servicewüste Deutschland

Der Chefredakteur der ZEIT ONLINE hat einen guten Überblick darüber, was zurzeit im Netz diskutiert wird. DHL ist hier meist ein Reizthema, denn: Das Ausliefern der Päckchen funktioniert grundsätzlich nicht, berichten die Kritiker. Dr. Frank Appel weiß, woran das liegt. Wenn beim Ausliefern von vier Millionen Paketen auch nur ein Prozent fehlerhaft zugestellt wird, sind das immer noch 40.000, die nicht korrekt beim Empfänger ankommen.

Paketzustellung der Zukunft

Ideen, wie diese Werte verbessert werden können, gibt es viele. Die Deutsche Post bietet beispielsweise spezielle Briefkästen an, in denen Boten die Pakete ablegen können, wenn niemand zu Hause ist. Selbst Retouren können hier hineingelegt und von den Briefträgern abgeholt werden.

Ein anderer Ansatz kommt von Amazon. Ein spezielles Türschloss des Online-Versandhändlers kann erkennen, wenn der Postbote vor der Tür steht und lässt diesen hinein. Das Paket kann so innerhalb der Wohnung deponiert werden – wenn der Kunde denn seinen Postboten ins Haus lassen möchte, ohne selbst vor Ort zu sein.

Mit einer Drohne den heimischen Balkon anzufliegen, um ein Paket dort diebstahl- und wettersicher abzulegen, ist rechtlich zumindest in Deutschland noch nicht möglich. Dennoch nutzt die Deutsche Post in anderen Ländern Drohnen, um ihre Läger zu überwachen. Dies spart zum einen Personal, schützt aber hauptsächlich vor Korruption, die im Ausland häufig ein Problem ist.

Umweltbewusstsein trotz langer Transportwege

Pakete haben meist einen langen Transportweg hinter sich. Dennoch haben sie einen relativ kleinen „Footprint“. Im Durchschnitt könnte ein Pkw mit gleichem Emissionsausstoß, dass ein Päckchen vom Empfänger zum Kunden produziert, 3,5 Kilometer weit fahren. Da nicht jedes Paket einzeln zugestellt wird, lohne es sich, selbst Lebensmittel online zu bestellen, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post.

Doch das Unternehmen tut noch mehr: In Zukunft sollen 70 Prozent der Zustellungen elektrifiziert werden. Gerade auf der letzten Meile ist die Post Vorreiter mit ihrem selbstentwickelten Streetscooter. Der Konzern hat sich dazu entschlossen, ins „Automobilgeschäft“ einzusteigen, da kein Hersteller bisher ein Fahrzeug produzierte, was die individuellen Anforderungen der Post erfüllt. Der Streetscooter benötigt keine Klimaanlage, da die Fahrer häufig ein- und aussteigen, dafür aber ein möglichst großes Ladevolumen. Ein Lieferbezirk umfasst im Schnitt einen Umkreis von 25 Kilometer, so hoch muss die Reichweite sein. Und eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde reicht aus, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Innerhalb geschlossener Ortschaften reicht eine weitaus geringere Spitzengeschwindigkeit.

Kannibalismus zum Wohle des Unternehmens

Nicht nur ein verstärkter Gedanke an die Umwelt verändert das Geschäft der Deutschen Post – auch die Digitalisierung. Wer schreibt denn noch einen Brief, wenn eine E-Mail wesentlich schneller bei dem Empfänger ankommt und der Sender nicht einmal das Haus verlassen muss? Um durch diese Entwicklungsstufe keine Kunden zu verlieren, kannibalisiert die Post ihren eigenen Unternehmensbereich: Seit 2010 gibt es den E-Brief. Der Kunde erstellt ein Dokument und übermittelt das PDF an ein Druckzentrum. Die Deutsche Post AG (DPAG) stellt diesen Brief dann klassisch auf dem Postweg zu. Dr. Frank Appel erklärt, dass ein solch disruptiver Eingriff notwendig war, um sich dem aktuellen Stand der Technik anzupassen.

Auch in der Automobilindustrie ist ein kannibalisches Verhalten zu beobachten. Anstatt darauf zu setzen, ihre Autos im großen Stil zu verkaufen, investieren Hersteller wie BMW oder Renault in Sharing-Dienste. Solche Angebote sollen gerade in Großstädten für eine Minimierung der Fahrzeuge sorgen. Die Automobilindustrie investiert also in ihre eigene Konkurrenz, um mit der Zeit zu gehen.

 

Dauer: 26:49

Produktion: November 2017

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