MD.REPORTAGE DIESEL – Technikfolgen: So problematisch wäre die Zukunft ohne Diesel!

MOTORDIALOG-Moderatorin Sarah Elßer präsentiert anschaulich anhand eines Schachspiels, wie sehr der Dieselmotor in Bedrängnis geraten ist, galt er doch zuvor als das Optimum im Vergleich zu dem Benziner. 48 Prozent der Neuzulassungen in den letzten Jahren sind Dieselmotoren. Ist es da nicht entsprechend schwer, den Diesel vom Schachbrett zu nehmen?

Prof. Dr. Armin Grunwald vom Institut für Technikfolgenabschätzung spricht  in unserer Reportage über die Zukunft und beantwortet auch die Frage nach dem Schach gesetzten König Diesel.  Er hat allerdings ein Problem mit dem „Vorhersehen“, spricht daher nur von wahrscheinlichen Zukunftsszenarien.

Möchte man auf die Zukunft des Diesels eingehen, muss man zunächst die Vergangenheit, aber auch die aktuelle Lage betrachten. Der Dieselmotor hat sich in der Vergangenheit als Verbrennungsmotor nicht nur im Auto, sondern auch in der Schifffahrt bewährt. Er war also jahrzehntelang aus der Mobilität nicht wegzudenken. Ist der Dieselmotor nun doch ersetzbar?  Grunwald sieht in dem entstandenen Skandal einen Spiegel der heutigen Gesellschaft. Wir denken grün und wollen die Umwelt nicht noch mehr belasten. Dies führte dazu, dass eine Software, die Prüfzyklen erkennt, schnell viel Aufmerksamkeit bekamen, denn die Testergebnisse spiegelten nun offenkundig nicht mehr die Werte des „normalen Fahrens“ wieder. Es geht allerdings nicht nur um den Stoff, der aus der Tanksäule fließt. Diesel bedeutet Wirtschaftskreisläufe, Logistikfirmen, Pipelines und nicht zuletzt Arbeitsplätze. All das muss berücksichtigt werden, will man eine kritische Betrachtung der Diesel-Problematik vornehmen.

Unser Experte ist der Meinung, dass das schlechte Image des Diesels von einer anderen Komponente beeinflusst wird: der Betrug. Gefälschte Abgaswerte gaukelten uns einen umweltfreundlicheren Motor vor. Die Gesellschaft ist nun empört darüber, dass diese Werte in der realen Nutzung nicht eingehalten werden, die Umwelt also stärker belastet wird.

Man stelle sich vor, der Diesel würde abgeschafft werden. Auch wenn das in unserer freien Marktwirtschaft unter aktuellen Voraussetzungen wohl undenkbar ist, wie könnte die Zukunft dann aussehen? Dies beträfe zum einen Autohersteller, die Dieselfahrzeuge vermarkten. Sie müssten verstärkt auf ausländische Kunden setzen, um den Gewinneinbruch so gering wie möglich zu halten. Allerdings ist der Diesel im Ausland nicht ganz so beliebt wie in Deutschland. Ein weiterer Player sind die Verbraucher, die Diesel-Fahrer. Sie beträfe das zumindest am Anfang nicht. Ein gekauftes Fahrzeug dürfte, bis zum Ende seiner Betriebsgenehmigung, weiter genutzt werden. Der Diesel würde also auf den Straßen erst in etwa einem Jahrzehnt aussterben.

Anstatt eines so radikalen Schrittes, nimmt Prof. Dr. Armin Grunwald die Firmen in die Verantwortung. Sie haben für ein qualitativ hochwertiges Produkt zu sorgen.

Um das Verschwinden des Diesels voranzubringen, benötigt man gesetzgebende Instanzen. Die EU kann hierbei mit ihren Regularien eingreifen und somit das Aussterben beschleunigen. Aber auch die Bundesregierung kann eine Wende in der Automobilindustrie herbeiführen, indem sie die passenden Gesetze dazu verabschiedet. Wichtig an dem Prozess ist aber dennoch in einer freien Marktwirtschaft der Käufer. Kann und möchte der Nutzer sein Kauf- und Fahrverhalten ändern?

Obwohl wir in einem gesunden Umfeld leben wollen, berücksichtigt die Öffentlichkeit nicht alle problematischen Umweltverschmutzer. Kraftwerke erzeugen Strom, teilweise sogar für Autos, stoßen dabei aber selbst umweltschädliche Substanzen aus. Beachtet wird das von den wenigsten Bürgern, denn das Auto ist einfach sichtbarer in den Alltag integriert. Während das Kraftwerk abseits der Öffentlichkeit steht, emittiert der Diesel vor Aller Augen auf der Straße.

Eine Alternative sind Elektroautos, doch Grunwald sieht sie in naher Zukunft nicht als die Lösung. Das Ziel der Regierung, 1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020, ist nicht zu erreichen. Der Wissenschaftler weiß auch warum: Die Veränderung der Infrastruktur dauert. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und träge noch dazu. Wir haben uns an einige Bequemlichkeiten von Diesel- und Benzinfahrzeugen gewöhnt und möchten diese in Zukunft nicht missen. Elektroautos hinken hier hinterher, auch wenn sie andere Vorteile aufweisen.

Prof. Dr. Armin Grunwald erkennt, dass viele Länder aufrüsten und ihre Mobilität ausbauen. Er bedauert dabei, dass wir in Sachen Auto unseren eigenen Nutzen sehen, aber die Risiken für andere, also die Umwelt oder nachfolgende Generationen, nicht berücksichtigen wollen. Dies deutet darauf hin, dass das Auto als solches noch lange genutzt werden wird.

Dauer: 25:10

Produktion: 2016

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