MD.REPORTAGE DIESEL – BP-Raffinerie: Chemie-Unterricht für Sarah!

Von Wilhelmshaven werden jährlich 11,7 Millionen Tonnen Rohöl 300 km nach Gelsenkirchen in die Raffinerie von BP gepumpt. Dort steht nun MOTORDIALOG-Moderatorin Sarah Elßer, um sich anzuschauen, wie aus dem Öl Dieselkraftstoff hergestellt wird.

Karin Heise, Produktionsplanung BP, erklärt, dass die gefragten Zielprodukte aus unterschiedlichen Rohölen hergestellt werden. Etwa 7 Millionen Tonnen Kraftstoffe stellt BP dann aus dem Rohöl her, wovon 4 Millionen Tonnen Diesel sind.

Auf dem Weg von Wilhelmshaven in den Autotank landet das Öl zuerst in einem von drei Rohöldestillationen. Dort wird es dann in einzelne Fraktionen zerlegt, unter anderem Flüssiggas und den Flugzeugtreibstoff Kerosin. Die einzelnen Bestandteile werden daraufhin separat in unterschiedlichen Anlagen weiterverarbeitet. Das Mitteldestillat muss von Schwefel befreit werden. Hinzugefügt werden dann Wasserstoff und geringe Mengen Additive, um schließlich den Dieselkraftstoff zu raffinieren. Die Additive machen letztendlich auch den Unterschied zwischen den einzelnen Marken aus. Jede Tankstellenmarke setzt die Endpunktadditive anders ein und erhält so ein minimal verändertes Produkt. Das gesamte Herstellungsverfahren benötigt 13-15 Prozent der Energie, die im Diesel später zur Verfügung stehen.

Damit sich ein Kraftstoff Diesel nennen darf, muss er neben anderen Kriterien eine bestimmte Kälteeigenschaft und einen spezifischen Flammpunkt haben. In der Schweiz ist der Diesel teurer, da der Kraftstoff dort durch die sehr kalten Winter bessere Kälteeigenschaften zeigen muss.

An der Tankstelle findet man verschiedene Sorten. Der Premium-Diesel Ultimate ist ein sogenannter gekürzter Diesel. Dieselkraftstoff siedet normalerweise zwischen 240 und 390 Grad Celsius. Ultimate siedet nur bis 345 Grad. LKW-Diesel unterscheiden sich nicht entgegen der landläufigen Meinung von PKW-Diesel. Die Zapfpistole ist einfach dem Tankfüllstutzen angepasst und dementsprechend größer. Bio-Diesel besteht nicht aus Rohöl, sondern vorrangig aus verestertem Rapsöl, dem Raps-Metyhl-Ester. Der Diesel muss am Ende sieben Prozent des Bio-Kraftstoffs enthalten.

Obwohl die Autokraftstoffe Benzin und Diesel aus dem gleichen Ausgangsstoff bestehen, gibt es beim Endprodukt  große Unterschiede. Der Dieselkraftstoff ist etwas schwerer und hat eine höhere Dichte. Benzine sind eigentlich eine Sammlung, sie müssen noch zu Ottokraftstoffen veredelt werden. Diesel hingegen wird aus dem Mitteldestillat oder Kerosin hergestellt. Die verschiedenen Herstellungsmethoden sind dennoch nicht  für den Preisunterschied verantwortlich, den wir an der Tankstelle zahlen. Das Ausschlaggebende hierbei ist die Besteuerung.

Die BP-Raffinerie in Gelsenkirchen gibt es nun bereits seit 80 Jahren. Während dieser großen Zeitspanne haben sich die Autos optisch und auch technisch stark verändert.  Neuerungen gab es hier natürlich auch in den Vorschriften. Der Schwefelanteil musste 2001 gesenkt werden und auch der Anteil an Aromaten wurde begrenzt. Einige Sondersorten haben inzwischen höhere Anforderungen in Bezug auf die Winterstabilität und den Siedepunkt, damit es für bestimmte Motoren verwendet werden kann.

Dauer: 20:12

Produktion: 2016

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